Kleiner Leitfaden

"Hund auf der Flucht" - Was ist zu tun?

"Mein Hund auf der Flucht" Suchmeldungen: hier ein Leitfaden, an dem man sich etwas orientieren kann!

Dieser wurde von Frank Weisskirchen erstellt (einer der Wenigen in Deutschland (neben der Schweiz), die Suchhunde einsetzen, an den ihr euch auch wenden könnt.

Eine Person muss am Kopf der Organisation stehen und deligieren. Bei Angsthunden sollte man sich im Sichtungsfall sofort wieder zurückziehen und verhindern, das der Hund aufgrund von Störungen weiterzieht. Angsthunde ziehen solange weiter, bis sie einen Platz gefunden haben, an dem sie sich sicher fühlen und an dem sie ihre Grundbedürfnisse befriedigt sehen. Werden sie gestört, ziehen sie weiter.

Die Umgebung des Sichtungsortes sollte dann befüttert werden, um den Hund auch dort zu halten. Danach sollte man den VORHER gesuchten Menschen, der das Equipment und die Erfahrung mit der Sicherung hat, informieren und anfordern. Das kann durchaus der ansässige Tierschutz, die Feuerwehr oder eine Hundeschule sein. In den meisten Fällen hat man einen Versuch, deshalb sollte man schon genau auswählen. Das sind nur die allgemeinen Hinweise. Generell gilt für mich in solchen Fällen:

Tag 1: Polizei, TASSO, Ordnungsamt, Tierärzte und Tierschutz informieren.
Tag 2: Bauhof, Strassenmeisterei, evtl. Autobahn oder Bahnpolizei. Jemanden mit Erfahrung auf Abruf setzen. Suchmeldung in die Verteiler.
Tag 3: Weiträumig Zettel und Flyer verteilen. Tierärzte benachrichtigen.
Tag 4: Verteilungsgebiet vergrössern. Nochmal die bisher informierten Stellen nerven.

Prinzipiell jede Sichtung auf einer Karte fixieren. Ich kann nachvollziehen, dass man Angst hat und suchen will. Der Sache bringt es in den wenigsten Fällen was und es läuft meistens nur auf mentalen Suizid hinaus, weil man sich selber fertig macht.
Deshalb versuchen, gross angelegte Suchaktionen zu vermeiden und auf Sichtungen zu warten. Das kann vielleicht mal funktionieren, aber das Risiko des Vertreibens ist deutlich grösser. Und ich persönlich würde mich lieber auf den sichereren Weg verlassen. Ich helfe auch gerne, wenn ich kann, aber wie gesagt, ich hätte dann gerne EINEN Ansprechpartner. Ein scheuer Hund wird sich zurückziehen. Es MUSS jemand vor Ort sein, der den gesichteten Hund dann auch einfangen kann. Ausserdem habe ich vergessen, das es immer nur eine Person sein sollte, die die Schritte koordiniert und bei der die Fäden zusammenlaufen.

Kontakt zu Frank Weisskirchen (im Westerwald) bekommt Ihr unter:
mobil 0163-6945579 Homepage: www.hundentlaufen.de


Wie verhalten sich Hunde, wenn sie weggelaufen sind ???

Es gibt eine allgemein sehr gültige Aussage und fast immer stimmt sie.

Sind die Hunde weggelaufen werden sie zum Ort des Weglaufens zurückkehren, meistens sogar mehrfach. Sie müssen am Ort des Verschwindens jemanden positionieren, der die Ruhe und die Geduld hat, dort zu sitzen und zu warten und gar zu warten und zu warten. Es sollte ein dem Hund vertrauter Mensch sein. Die Stelle sollte mindestens 36 Stunden NON-STOP beobachtet werden. Mit 80%iger Sicherheit kehrt ihr Hund dorthin zurück, es sei denn, er ist von einem Hundevermehrer gezogen worden, dann fehlt ihm dieses Lernverhalten, was ihm seine Mutter in den ersten 6 Wochen beibringt und zwar aus dem Grunde, da diese Welpen lediglich in kleinen "Gehegen" gehalten werden und keine Möglichkeit haben, ihre Umwelt zu erkunden und nicht gelernt haben, in ihre Wurfkiste zurückzukehren. Dies Verhalten lernen die Kleinen schon, wenn sie noch nicht die Augen geöffnet haben, also bevor sie so ca. 14 Tage alt sind. Bei Hundevermehrern ist dies aber nicht möglich und somit fehlt ihnen schon einmal eine grundlegende Urvariante.

Jeder Hund kann über den Tag verteilt locker +/- 20-30 km zurücklegen, warum nicht auch Ihr Hund???

Kein Hund verhält sich wie der andere Hund!

- sie können große Kreise ziehen und immer vom Ausgangsort wieder neu starten
- sie können einfach auf Wanderschaft gehen
- manche Hunde können, auch wenn sie an einem ganz anderen Ort verloren gehen , trotzdem nach Hause finden - andere nicht (siehe oben)
- manche Hunde sind durch ihre Entlaufen so verstört, dass sie gar nichts mehr wissen
- manche Hunde benehmen sich auf einmal wie ganz scheue Hunde
- manche Hunde bewegen sich nur des nachts
- manche Hunde bewegen sich nur tagsüber
- manche Hunde gehen in der Abenddämmerung los und legen sich morgens, wenn die Sonne aufgeht, hin
- manche Hunde wandern einige Stunden - legen eine Ruhepause ein und wandern wieder einige Stunden
- je länger Ihr Hund alleine herumläuft, desto mehr wird er ein geregeltes Hundeleben führen. Er wird sich seinen Tag einteilen und Sie können eine gewisse Regelmäßigkeit bei eventuellen Sichtungen feststellen.
- wenn Ihr Hund sich von seinem Schock erholt hat, wird er die Nähe anderer Hunde suchen - Hundeplätze, Tierheime, Bauernhöfe etc.

Wovon Soll mein Hund denn leben????
Kann er überhaupt alleine da draußen überleben???

Ja, er kann!

- er kann Mäuse fressen
- er kann Jagen gehen
- er kann Pferdeäpfel fressen (es sind zahlreiche Stoffe darin enthalten, die der Hundekörper verwerten kann
- er kann Regenwürmer fressen - nicht lachen, die Hunde tun so etwas
- er durchsucht Müllsäcke und Müllansammlungen
- er besucht das Abfallzentrum eines Restaurants
- er besucht die Grillstuben - vorne vor liegt immer etwas Fressbares herum
- er kann kleine Enten jagen und Ähnliches
- er kann Pausenbrote der Kinder aufstöbern
- er findet Katzenfutter
- er kann Futtermittel auf Bauernhöfen finden
- er kann Aas von der Straße und am Wegesrand finden
- es gibt sogar Hunde, die können fischen
- er kann über den am Vormittag stattgefundenen Wochenmarkt laufen
- er kann über den Kirmesplatz laufen - 1000 Leute und keiner sieht den Hund
u.s.w. bei allem was Sie tun, müssen Sie sich vorstellen, Sie sind ein Hund und wichtig ist nur DAS ÜBERLEBEN und dann ist es gar nicht mehr so schwer zu sehen, was der Hund alles fressen kann und tun kann.

Und sagen Sie bitte nicht, Ihr Hund kann so etwas nicht. Es geht um sein Überleben und er ist erfindungsreich und er hat eine supergute Nase, ja klar, er war zutraulich und sozialisiert - aber - wissen Sie was ihm alles auf seinem Weg passierte?? was ihn ängstigte??? was ihn zur Flucht veranlasste????

Es gibt Hunde, die tauchen nach 1/2 oder mehr Jahren auf, vollkommen verwildert, über 200 km und es ist klar, man kann es an ihrem Körper erkennen, sie waren die ganze Zeit frei und kein Mensch hat sie je gesehen..... sind dann aber einmal in Sicherheit dauert es meist nicht lange, und sie legen "einen Schalter um" und sind wieder der Hund, der sie vorher waren.

Und zum guten Schluss, vergessen Sie nicht, es gibt Millionen von Straßenhunden die ebenfalls einmal ein Zuhause hatten und ebenfalls überleben und vergessen Sie nie, Ihr Hund stammt zu 99% vom Wolf ab.

Quelle: mit freundlicher Genehmigung von Maria Bader und Frank Weisskirchen